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Persönliche Geschichten

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Orchideenzucht in der DDR

In den Achzigern am Stadtrand von Berlin-Ost.

1978

In der DDR wurden Orchideen in riesigen Gewächshäusern angebaut, die ein tropisches Klima simulierten. Dafür zog man riesige Heizanlagen, die mit sowjetischem Öl betrieben wurden, hoch. Zu extrem günstigen Konditionen verkaufte die Sowjetunion den Treibstoff an den Bruderstaat. Doch Ende der 70er, als die DDR schon einige Jahre das preiswerte Öl an den Westen weiterverkaufte um Profite zu generieren, entschied sich die Sowjetunion die Sonderkonditionen für die DDR aufzuheben. Damit versiebzehnfachte sich der Preis von Rohöl auf einen Schlag. Große tropische Gewächshaus weiter mit Öl zu beheizen war undenkbar. Und so stieg die Gärtnerei, wie viele andere Betriebe in der DDR auf Braunkohle um. Die Braunkohle wurde das neue schwarze Gold und wichtigster Energieträger für fast alle Industriezweige.

Die Gärtnerei war abgesehen von der Energiezufuhr auf dem neuesten, technischen Standard. Bei der Orchideenzucht setzte man auf Meristemvermehrung, eine vegetative Art Pflanzen in sehr großen Stückzahlen unter Laborbedingungen zu vermehren.

M. züchtete mit seinen Kollegen drei neue Sorten von Frauenschuhen. „Im Gegensatz zu Gärtnereien im Westen, war es für uns auch möglich, Orchideen zu züchten, die nur eine oder zwei Blüten pro Pflanze hatten. Durch die Meristemvermehrung konnten wir die neuen Sorten in unbegrenzter Anzahl klonen und somit eine hohe Stückzahl produzieren“ Nach der Wende wurde die Orchideenzucht eingestellt und die Gärtnerei geschlossen. Heute verkauft Hellweg Baustoffe auf dem Areal. Die alte, stillgelegte Ölheizungsanlage aus den 70ern steht aber immernoch neben dem Baumarkt. Und auch die 3 Orchideensorten, die in dieser Gärtnerei gezüchtet wurden, sind nicht verschwunden. In anderen Gärtnereien werden diese Sorten weiter vermehrt und geerntet.

Enviromental fictions

eine Recherche gefördert durch die Take Care Initiative des Fonds der Darstellenden Künste

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Lichtregale im Orchideenlabor

Orchideenklone in der Nährlösung

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Meristemvermehrung oder wie Pflanzen
unter Laborbedingungen geklont werden

Bei der Orchideenzucht setzte man auf Meristemvermehrung, eine vegetative Art Pflanzen in sehr großen Stückzahlen unter Laborbedingungen zu vermehren. Dabei wird teilungsfähiges Zellgewebe (Meristemgewebe) der gewünschten Pflanzen als pflanzliche Gewebekultur von allen Fremdkeimen, wie Pilze, Viren oder Bakterien gereinigt und steril in einer Nährlösung zum Wachsen gebracht. Durch Rotation wird den Zellen nicht ermöglicht sich an der Gravitation der Erde auszurichten, so dass sie weder Blätter noch Wurzeln bilden können. Es wächst ein Zellklumpen heran, der nun nun immer weiter geteilt und weiter vermehrt werden kann. Hat man genug teilungsfähiges Zellmaterial gewonnen, werden Teile entnommen und in Festnährmedien gelegt. In diesen Nährlösungen, die nicht mehr rotieren, werden die Zellklumpen mit allen Nährstoffen versorgt, so dass sich aus diesem Meristemgewebe nun Kallus und dann ganze Pflanzen mit Wurzeln und Blättern bilden können.Nach einer Eingewöhnungsphase zur Abhärtung können die jungen Pflanzen, bei denen es sich ausschließlich um Klone handelt, eingetopft oder ausgepflanzt werden.